Um unsere Tourneen auszudehnen, brauchen wir einen “Dienstwagen“. Durch gemeinsame Beteiligungen kaufen und finanzieren wir günstig einen gebrauchten Ford 12 M mit der berühmten Weltkugel. Doch wo parken? Privatautos sind in der Kaserne verboten. Versuchen wir es einfach mit der Bezeichnung ‚Dienstwagen’. Zwischen unserer Unterkunft und dem daneben liegendem Kompaniegebäude belegen wir die freie ungepflasterte Nische. Das ist zwar nicht erlaubt, und das Verbot sprechen der Spies und andere Vorgesetze regelmäßig aus. Wir nehmen uns auch öfter vor, Abhilfe zu schaffen, doch das Auto steht - und - bleibt einfach da. Gegenüber liegt die Kantine.
Jetzt, wo das Auto unerlaubt geduldet in der Kaserne parkt, wollen wir es auch hier nutzen. So lassen wir den Ford mit der Weltkugel morgens vor dem Kompaniegebäude auf den Antretplatz vorfahren. Am Steuer sitzt ein Knollenmann. Er reißt die Türen auf und vier Selleristen steigen ein. Wir fahren über den Antretplatz, biegen rechts auf die Kasernen-Hauptstraße, biegen kurz vor der Wache nach links und dann wieder nach links und halten unmittelbar vor dem Divisionsgebäude (Div-Gebäude). Der Knollenmann steigt aus, öffnet wieder die Türen und die Selleristen steigen unter Anwendung des “Äähhh-Gesetzes“ und den Worten „Weiter machen“ aus und gehen durch die Eingangstür des Div-Gebäudes zu ihren Arbeitsplätzen in diesem Haus.
Knollenmanns tägliche Dienstfahrt. Hin- und Rückfahrt
Die erste Fahrt ist Risiko, denn alle anderen - auch die Offiziere, Stabsoffiziere und der General - kommen zu Fuß. Es ist schon erstaunlich - wir bekommen kaum Widerspruch. So fahren wir ab sofort täglich. Übrigens: Der Knollenmann holt uns bei Dienstschluss auch wieder vor dem Div-Gebäude ab. Ab sofort heißt unser Dienstwagen “Sellerie-Kommando-Wagen“! Den kurzen Weg bis in die Kantine gehen wir allerdings zufuß.
Kurz vor Ende ihres Wehrdienstes interessiert sich Feldwebel B. für den Wagen. Er will ihn kaufen. So möchten sich auch BigBenBu und Sellerie-Joe am Entlassungstag vom Spieß verabschieden. Doch der Kompaniefeldwebel ist ungehalten und gibt ihre Entlassung erst frei, wenn sie den Kommando-Wagen verkaufen. BigBenBu erklärt: „Wir haben ihn verkauft, an Oberfeld B.“ Der Spieß noch unfreundlicher: „Das hätten Sie wohl gerne, das geht ja gar nicht, Oberfeld B. ist zu einer Übung in der Senne! Kommen Sie wieder, wenn der Wagen veräußert ist!“ Es ist unglaublich, aber beide finden unter den Fernmeldern in der Kaserne tatsächlich sofort einen Käufer und stellen ihn dem Spieß bei der zweiten Verabschiedung vor.
Übrigens: Gut, das das Vorhaben von Sellerie-Joe nicht geklappt hat. Nach einem ausgiebigen Kantinenbesuch wollte Joe eines Tages in der Dunkelheit aus der Ford 12 M Limousine ein Kabriolett fertigen. Glücklicherweise ist sein Nato-Dosenöffner nicht scharf genug, um das Autodach wie eine Konservendose zu öffnen und hochzuklappen.
Fazit: “Sellerie-Kommando-Wagen“ - eine fast unglaubliche selleristische Erfolgsgeschichte!